Türggeler
Hexe
Gockel
Habergeis
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Die Zirler Türggelerchronik
Ein uraltes Bedürfnis der
Menschen war und ist es, den rauhen Winter zu vertreiben. Und
schon in grauer, heidnischer Vorzeit versuchte man dem "Bösen
Geist Winter" mit schemenhaften, schönen und furchterregenden
Masken und Tänzen zu Leibe zu rücken. Und nur in unseren
Bergen, wo im Winter jedes Tal eng und fast jeder Paß unüberwindbar
wurde, konnte uraltes Brauchtum erhalten und überliefert
werden. Wenn in der stillsten Zeit des Jahres die bitterkalten
Rauhnächte ihre Spuren in der Natur hinterließen und
der Drei-König-Tag vorbei ist, steigen in einem Ort in Tirol
dickvermummte zottelige Gestalten aus ihren Schlupfwinkeln. Ihre
knorrigen Gesichter lächeln freundlich, und aus ihren Augen
lacht die Freude über den nahenden Frühling, Doch es
dauert nicht lange, da tauchen bösartig aussehende Hexen
auf, gefolgt von einem furchterregenden Fabelwesen, das, halb
Kuh, halb Gams, halb Schaf, halb Weib, sein Unwesen treibt -
" Die Habergeis". Gefürchtet wie ihr wilder Kumpan,
"Der Goggeler" (Gockel), der wie "Habergeiß"
und Hexen durch Schnabelhiebe und wilde Gebärden versucht,
den Frühling zu vernichten, Der Frühling, dargestellt
durch sechs über und über mit Türggenflitschen
beihangenen Figuren, gewinnt aber nach einiger Zeit die Oberhand
und leitet nach einem Fruchtbarkeitstanz, der das Säen und
verarbeiten des Türggens und die Arbeit auf dem Felde darstellt,
die warme Jahreszeit ein. So wurde dieser Brauch seit urdenklichen
Zeiten vom Vater auf den Sohn überliefert. Denn nur Männer
dürfen zwischen Dreikönig und Aschermittwoch die "Zirler
Türggeler" verkörpern. Lange bevor die erste Kerze
am Adventkranz brennt, beginnt es in heimlichen Werkstätten
und Hinterstübchen zu hämmern, sägen und zu schellen.
Beim Zwickeler-, Hanseler- und Hölbligbauern beginnt man
damit, die Türggenflitschen zu sortieren. Diese werden dann
in wochenlanger Arbeit von Bäuerinnen und deren Töchtern
zu Türggeler-Gewändern genäht. Die Türggeler,
das sind sechs junge starke Burschen aus dem Dorf, beginnen mit
den Ausbesserungsarbeiten am Türggelerhut. Der Türggelerhut
ist ein großer, bizarr geformter Trachtenhut, der mit ca.
3000einzelnen Türkenkörnern beklebt ist. Der Hut bildet
eine Einheit mit der Larve (Maske). Beides fix verbunden, kann
ein Gewicht bis zu sechs Kilogramm erreichen, Um die Mitte trägt
ein Türggeler einen Schellgurt, der beim Tanz den Typischen
Schellrhythmus erzeugt.
Die Gruppe besteht noch aus zwei oder mehr Hexen, die hämisch
grinsende Larven und mit Flicken besetzte Kittel tragen. Die
"Habergeiß" ist eine Figur, die alle bösen
Eigenschaften, in sich vereint. In eine Alt-Zirler-Tracht gehüllt
und mit einem großen Ruckkorb am Buckel, springt der Darsteller,
so gut es ihm das immense Gewicht der Larve erlaubt, umher. Die
Larve ist ein Ziegenkopf mit den Ohren einer Kuh, dem Fell eines
Schafes und dem Gehörn von Kuh, Reh, Geiß, Gams und
Widder. Die Berührung mit der Habergeiß bringt in
jedem Falle Unglück. Der Guggeler (Gockel) war schon immer
das Symbol für Katastrophen, Unwetter, Muren, Lawinen und
Feuersbrunst. Es ist die farbigste Figur. Seine Larve ist aus
einem Stück gefertigt. Sein Oberkörper ist ganz mit
Federn aus Stoff und Wollfransen bestückt. Um die Mitte
trägt er einen breiten Ledergurt, der den langen Gockelschwanz
trägt. Um den Bauch hat er das "Klöppenband",
das ist ein Halbgurt, der aus lauter Hölzern besteht und
der bei den stolzen Bewegungen des Guggelers den typischen Guggltakt
schlägt. Begleitet auf der "Knopforgel" (Steirische
oder diatonische Ziehharmonika) wird die Gruppe von der "Türggelermutter".
Es ist das ein gut gebautes Weiberleut mit lachendem Gesicht,
gehüllt in eine rupfene Arbeitstracht. Sie soll früher
beim "Türggenausmachen" (Entfernen der Deckblätter
vom Türggenkolben) und danach zum Tanz aufgespielt haben.
Zur Aufführung kommt der Türggelertanz in Zirl an den
sogenannten "Türggeler-Freitagen". Da geht man
zu den Bauern und in die Gasthäuser im Ort. Ausgangspunkt
für das Auftreten der Zirler Türggeler ist seit alters
beim "Zwickeler", dem höchstgelegenen Bauernhaus
Zirls. Den Schluß eines jeden Tanzes bildet das Türggenstecken.
Dabei wird den Zuschauern eine Handvoll Türggenkörner
in den Kragen gesteckt. Die Türggenkörner gelten als
besondere Glücksbringer. Erwischt eine Dame ein rotes Korn,
so kann sie damit rechnen, im nächsten Jahr einen gesunden
Buben zur Welt zu bringen. |